Was sind die Anforderungen für Retrofitting? – keine Maschine ist zu alt

Factory worker is programming a CNC milling machine with a tablet computer.

November 3, 2020 | in Digitalisierung | von pragmatic industries

Die Angst vor zu hohen Investitionskosten ist meist der Anlass weshalb kleine Unternehmen den Schritt in Richtung Digitalisierung nicht wagen wollen. Der Gedanke man müsse neue, miteinander vernetzte Maschinen und Anlagen anschaffen ist oftmals der Grund dafür, aber ein Falscher. Einige Unternehmen haben dies bereits erkannt und ebnen den Weg für ihre Fertigung, durch „Retrofitting“ — Modernisierung alter Maschinen, für die Digitalisierung.  

Retrofitting kurz erklärt 

In dem Themenbereich Industrie 4.0 und Digitalisierung ist Retrofit regelrecht zu einem Schlagwort oder auch Buzzword geworden. Der Begriff ist eine Zusammensetzung aus dem lateinischen Wort „retro“ (rückwärts) und dem englischen Verb „to fit“ (anpassen). Retrofit bedeutet also, dass Sie alte Maschinen aufrüsten und modernisieren, ganz nach dem nachhaltigen Motto „aus Alt mach Neu“. Eine Bestandsmaschine wird mit neuen Bauteilen und zusätzlichen Komponenten ausgestattet, sodass es den neuesten technischen und rechtlichen Anforderungen entspricht.  

Vorteile des Retrofittings 

Viele Maschinen in Deutschland stammen aus einer Zeit, in der man von dem „Industrial Internet of Things“ noch überhaupt nichts ahnen konnte. Deshalb sind die meisten Fertigungen noch nicht miteinander vernetzt. Die Maschinen nun einfach durch Neue ersetzen ist sehr kostspielig und das Abschreibungsalter ist von vielen noch nicht erreicht. Im Vergleich zur Neuanschaffung ist ein Retrofit nicht so teuer und kann trotzdem die gewünschten Effekte aufweisen: 

  • Längere Maschinennutzungsdauer 
  • Verringerung von Ausfallszeiten 
  • Geringere Produktionskosten durch verbesserte Energieeffizienz, Produktivität und Produktqualität 
  • Einhaltung gesetzlicher Vorgaben (Sicherheitsauflagen, Emissionsbestimmungen etc.) 
  • Erfassung von Maschinen- und Prozessdaten 
  • Einbettung in moderne IT-Umgebung (Industrie 4.0)

Darüber hinaus sparen Sie sich viele Bürokratische Hürden, wie z.B. langwierige Genehmigungsverfahren. Der Retrofit an einer Maschine benötigt zudem kein Um- oder Neubau der Fertigungshalle und es kommt, wenn überhaupt nur zu einer kleinen Betriebsunterbrechung an der Maschine. Die Grundfunktionalitäten der Maschine bleiben erhalten und ein Schulungsaufwand für die Mitarbeiter ist nicht von Nöten. 

Keine Maschine ist zu alt 

Das Fundament, um im digitalen Wandel den Anschluss nicht zu verlieren, bilden Daten und die über das Internet of Things (IoT) vernetzte Maschinen. Retrofitting ermöglicht jedem Unternehmen mit der Digitalisierung Schritt zu halten und nicht in einen neuen Maschinenpark investieren zu müssen. Bestehende Anlagen werden mit Sensorik und Kommunikationstechnologien kostengünstig ausgestattet. Dadurch wird die Möglichkeit geschaffen Produktionsdaten zu erfassen und zu analysieren. Und nicht nur das, auch die Vernetzung ist somit realisierbar.  

So können beispielweise Maschinen mit Sensoren, die physische Größen wie die Temperatur, den Stromverbrauch oder Druck messen, ausgestattet werden. Die Messwerte bzw. Daten werden über ein IoT-Gateway ausgelesen und erfasst. Im Anschluss werden all die Informationen an eine Software, wie z.B. das Digital Cockpit von pragmatic industries übermittelt. Hier werden Ihre Daten visualisiert, analysiert und grafisch aufbereitet. Somit können Sie Ihre Maschinen ortsunabhängig und jederzeit überprüfen — die ideale Basis für eine effiziente Planung, Steuerung und Optimierung der Produktionsprozesse.     

In wenigen Schritten fit für die Zukunft  

Wenn sich ein Unternehmen für einen Retrofit entscheidet, sind dabei verschiedene Schritte zu beachten. Zudem kann das Retrofitting nach und nach erfolgen. In der Regel bestehen die ersten Schritte im Erstellen eines „Business Case“, der üblicherweise beschreibt, welche Geschäftsziele die Nachrüstungen verfolgen sollen, welche Bestandsmaschinen nachgerüstet werden sollen und mit welchen Umsätzen und Kosten zu rechnen ist. 

Ist-Aufnahme und Anforderungsanalyse 

Zuerst werden die vorhandenen Maschinen und Produktionsprozesse näher betrachtet, um herauszufinden welche sich für das Retrofitting eignen. Für die Auswahl werden dann die Anforderungen an die jeweiligen Komponenten definiert. So können beispielweise die folgenden Fragen unterstützen: 

  • Sind bereits verbaute Sensoren vorhanden? 
  • Was möchte ich konkret messen und auswerten? 
  • Welche Sensoren müssen dafür nachgerüstet werden und an welcher Stelle? 
  • Welche genauen technischen Voraussetzungen sollen erfüllt werden? 

Kosten-Nutzen-Analyse 

Im zweiten Schritt stellen Sie die entstehenden Kosten für das Retrofitting einer Maschine mit den Kosten einer Neuanschaffung gegenüber. 

Bestimmen der neuen Komponenten 

Auf der Grundlage der definierten Anforderungen für das Retrofitting einer Maschine werden die benötigten Komponenten wie Sensorik, Bauteile, Hardware und Software verglichen und eingekauft. 

Implementierung 

Nun erfolgt die technische Umrüstung an einer Maschine, die ausgewählten Komponenten werden eingebunden. Es kommt zu einer kurzweiligen Betriebsunterbrechung, neue Bauteile und Sensoren werden eingebaut, sowie Hardware und Software im System integriert.   

InbetriebnahmeDatenerhebung & Datenauswertung 

Nehmen Sie Ihre Maschine jetzt wieder in Betrieb werden die neuen Datenwerte erfasst und ausgewertet. Mit einer IoT-Plattform oder einem MES-System werden die Daten visualisiert und für weitere Analysen bereitgestellt. Nutzen Sie die Ergebnisse der neuen Datengrundlage für Veränderungen und Verbesserungen der Prozesse.  

Retrofitting — der ideale Anfang der digitalen Transformation  

Retrofitting bringt Ihnen mit geringem Aufwand den Nutzen der Digitalisierung näher. So ist es ein guter Anfang, um seine Maschinen zu digitalisieren und den Anschluss nicht zu verpassen. Nutzen Sie die Vielzahl an verschiedenen Applikationen von pragmatic industries GmbH, um Daten auszuwerten und zu visualisieren. Denn die Zukunft wird eine vernetzte Produktion innerhalb einer Smart Factory sein. Wer sich im Wettbewerb durchsetzen will, sollte rechtzeitig beginnen.